marvellous masken

photobuch mit 60 abbildungen, einem einführenden essay von marvellous sowie einem essay von Crauss.

70 seiten, 21x21cm, softcover 30 €, hardcover 35 € zzgl. versand

bestellungen über marvellous[@]web.de oder über booklooker

marvellous schafft beeindruckende photoportraits. er schützt durch die papiermaske weder den portraitierten vor dem blick des betrachters, noch knipst er einfache erinnerungsbilder, sondern er stellt den moment des erinnerns durch die augen-mund-wechselwirkung zwischen maske und maskiertem erst her, macht etwas sicht- und greifbar, das vorher allenfalls in der raumsituation lag und durchs sichtbarmachen beherrschbar wird. das macht die bilder zur kunst.


beispiele aus dem buch: hier


21.11.-21.12.2010 ausstellung des buchs sowie ausgewählter maskendrucke in der essBar, stadtteilcafé siegen fischbacherberg, schweriner str. 23

01.05.-04.07.2010 ausstellung des buchs sowie ausgewählter maskendrucke im schaufenster des antiquariats nassauer, kölner str. 13 in siegen


"selten habe ich ein buch so schnell nach dem erscheinen bestellt." (Aebby Huber, mai 2010)


"faszinierend, wunderschön und noch viel besser als am pc." (bakmak71 auf flickr)

"fantastische, absurde, lebendige und gleichzeitig abstrakte motive. besonders faszinierend, wie durch die masken die wahrnehmung umgelenkt wird und neue momente in den mittelpunkt rücken." (siegener zeitung, 24.11.2010)


Crauss: zustände herstellen. assoziationen zur bezwingung eines dämons.
die papiermasken-photos von marvellous (auszug aus dem essay)

man kann auf vielerlei weise über ein thema wie „maske“ und „maskierung“ nachdenken, wahrscheinlich werden die ansätze ebenso vielfältig sein wie es unterschiedliche arten der vermummung gibt. aus einer gewissen faszination für afrika und aus einer sympathie für die ethnologen Parin und Fichte heraus fallen mir aber unwillkürlich tanzmasken aus lehm, holz, stroh und farbe ein. mir fallen afrikanische sonnenwesen, naturwesen und ahnen ein, nicht papiermasken mit den gesichtern von Mephisto, renaissance-fürsten oder viktorianischen intellektuellen, wie sie marvellous verwendet.
dennoch liegt meiner ansicht nach marvellous mit seinen aus einem reise- und alltagszusammenhang heraus entstehenden photographien nicht ganz fern den ethno-psychologisch auf einen festen ritus bezogenen masken-austragungen afrikas oder auch asiens.

der anfang der in loser folge weiterhin entstehenden portraits war zufall: der photograph hatte genauso wenig wie ich mit dem starken eindruck gerechnet, den ich hervorrief, als ich mir im sommer 2005 eine in einer ausstellung bereitgehaltene papiermaske vors gesicht hielt. ich dachte mir wenig dabei, so wie ich oft nicht den räumlichen oder gestalterischen hintergrund erkenne, in den marvellous einen mit sanfter hand weist, also: mit ganz spärlichen anweisungen dahin oder dorthin dirigiert, vielleicht darum bittet, nicht zu lächeln, ein wenig den kopf zu neigen, es aber meist dem gegenwärtigen „modell“ überlässt, wie es die hand hält, wie weit offen die jacke ist, oder ob es pantoffeln trägt etc: ob es zu einem photo kommt, hängt von der stimmung ab, von der bereitschaft zum tragen einer maske. wenn es aber ans photographieren geht, weiss marvellous immer, wie das bild ausschauen soll. er weiss stets ein wenig mehr als der abgebildete.

beim betrachten der von marvellous verwendeten masken leuchtet das zustandekommen eines ideal- bzw- mischwesens ein, wenn man bedenkt, was genau die wirkung der portraitierten person ausmacht: es ist jeweils die mundpartie, und es sind die – gemalten oder gezeichneten – augen. nicht einzeln, sondern fast ausschliesslich im zusammenspiel. die kombination macht den effekt. erst der faltige mund gibt den schönen augen der Kleopatra das leicht bittere, erst ein schmales, konzentriertes lächeln der schief aufgesetzten königin Elisabeth I. etwas grotesk-hilfloses. erst die hausmädchenmaske verwandelt die unter umständen als verschämt wahrnehmbare haltung einer nackten in etwas katzenhaftes, erst das hofnarrengesicht lässt die gebeugte haltung angriffslustig und wie zum sprung bereit erscheinen.
dem „phantom der oper“ dient die maskierung dazu, das schreckliche, das nicht-zeigbare zu verbergen; die totenmaske hingegen soll einen momentanen zustand erhalten, das letzte antlitz eines menschen konservieren, die erinnerung im vorhinein materialisieren. marvellous’ maskenphotos sind von beidem das gegenteil: sie stellen erst eine situation, einen zustand her, der ohne sie nicht existiert hätte. das macht sie zur kunst.



der komplette essay ist auf in|ad|ae|qu|at nachzulesen

 

marvellous masken  

maske, maskerade, larve, maskierung, schein, anschein, mummenschanz, schleier, mumme.

als ich in einer ausstellung, in der man dinge zur anschauung aus schubladen ziehen konnte, die erste papiermaske entdeckte, zog ich sie Crauss auf: er verschwand für mich komplett hinter ihr. zwar war er als person greifbar, aber nicht mehr als er selbst. es fand eine verwandlung zum zwitterwesen statt und dies nicht nur, weil die maske eine frau darstellte.die weiblichkeit oder männlichkeit der masken ist nicht entscheidend dafür, wer sie tragen kann oder sollte. auch der bewusste austausch – eine frauenmaske auf einem männerkopf oder umgekehrt – führt zu keinem schrulligen ergebnis wie wir es bei einer travestie erwarten würden. die masken wirken, obwohl klar zuortbar, fast immer neutral.
diese neutralität hebt sie für mich deutlich über ein spaßprodukt hinaus. der heilige ernst dieser masken lässt den träger verschwinden, obwohl dieser für die wirkung der maske genauso verantwortlich ist, wie die maske selbst.

die wahl der masken überlasse ich meist dem träger. ich weiß nicht, weshalb er sich für diese oder jene entscheidet. eine entscheidung, die sicher aus einer lebenserfahrung entsteht und zum teil auch mit dem selbstbildnis des trägers zu tun hat. bestimmt auch mit dem spiel der maskerade und der lust, jemand anderen darzustellen. viele mögen die mephistomaske und greifen mit begeisterung zu. zu teufeln werden sie dadurch nicht. erstaunlich, wie weich und verletzlich plötzlich dieses ungetüm der hölle wirkt. wie es mit unsicherem mund und unsicheren fäusten ins leben schaut. die jeweilige körperhaltung ist durch die maskenträger frei gewählt. ich mache keine vorgaben. ich benenne nur den ort, an dem ich sie photographieren möchte, und ich fordere sie auf, nicht zu lachen oder zu lächeln.

die wirkung der masken ist häufig so stark, dass selbst nahestehende menschen den träger nicht auf anhieb erkennen. obwohl die masken nur den oberen teil des gesichts abdecken, schaffen sowohl sie als auch das photo eine realität, die für manche anfänglich verschleiert bleibt. erst nach genauerem suchen im bild und gelegentlichen irrtümern erkennen die betrachter den träger. ein faszinierendes beobachten für mich wie für den suchenden.